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Ausgerechnet im musikalisch konventionellen Dresden findet im September bereits zum zehnten Mal das „Festival Frei Improvisierter Musik“ statt.
Von 1997 an hat die frei improvisierte Musik gerade in der ansonsten eher als musikalisch konventionell empfundenen sächsischen Landeshauptstadt eine Heimat gefunden; das „Festival Frei Improvisierter Musik“ (FFIM) findet seitdem jährlich im September in der Blauen Fabrik Dresden statt. Aus der Taufe gehoben hatte das Ereignis der Komponist, Improvisator und Mathematiker Günter Heinz (Posaune, Zurna) bereits 1992 in Berlin, wo es auch 1993 noch einmal stattfand, bevor das kleine, aber künstlerisch erlesene Musikereignis nach einer „Atempause“ nach Dresden umzog. Also feiern Heinz, seine Mitstreiter und das interessierte Publikum im September 2006 ein Jubiläum: nämlich das zehnte FFIM in Dresden. Die Programme der letzten neun Festival-Durchgänge brillieren mit bedeutenden Namen der internationalen Improvisations- und Jazzszene. So spielten in der Blauen Fabrik so namhafte Künstler wie Fred van Hove (B), Urs Leimgruber (CH), Lou Grassi (USA), George Cremaschi (USA), Agusti Fernandez (E), Jaques Widmer (CH), Günter Müller (CH), Max E. Keller (CH), Michael Lytle (USA), Günter Baby Sommer, Dietmar Diesner, Gottfried Rößler und viele andere. Aber auch die junge, kreative Dresdner und sächsische Szene ist in jedem Jahr vertreten. So findet man neben Hartmut Dorschner, Sabine Grüner, Agnes Ponizil, Matthias Macht, Andreas Böttcher und Jörg Ritter auch das Sächsische Improvisations Ensemble, die Neue Dresdner Kammermusik und nicht zuletzt Günter Heinz selbst. Aus der Begegnung zwischen Jung und Nicht-mehr-ganz-Jung sowie zwischen Internationalem und Regionalem bezieht dieses Musikereignis sein ganz spezifisches Flair. Das Festival hat sich längst einen Namen auch über Dresden hinaus gemacht und einen zwar kleinen, aber beständigen Publikumskreis um sich geschart: Stets offeriert dieses Ereignis praktischer Musik-Erforschung seinen Besuchern Überraschendes und Überzeugendes. Wenn einst der Pianist und Komponist Frederik Rzewski schrieb: „In der improvisierten Musik können wir die unerwünschten Dinge, die geschehen, nicht entfernen. Also müssen wir sie akzeptieren.“ So gesehen ähnelt die Improvisation dem wirklichen Leben, so liegt in diesem Aspekt der frei improvisierten Musik sicher deren besonderer Reiz begründet. Müssen sich doch alle Beteiligten, Musiker wie Zuhörer, immer wieder mit dem Unerwarteten auseinandersetzen und daraus Gewinn ziehen. Auf diese Weise bestätigt sich in der Musik, was auch der Filmemacher Buñuel erkannt hat: „Der Zufall ist der große Meister aller Dinge. Danach erst kommt die Notwendigkeit.“ Insofern tut das FFIM Einiges auch für die Ent-Kanonisierung hiesiger Musikpraxis. Für das Jubiläums-Festival in diesem Jahr (Termin: 21. bis
24. September ) verspricht Günter Heinz wiederum ein interessantes
und vielfältiges Programm, Einzelheiten werden rechtzeitig auf Heinz’
Internetseite und natürlich in der Tagespresse veröffentlicht. Mathias Bäumel |
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