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Miles Davis, Oscar Peterson, Chick Corea, Michel Petrucciani. Namen aus einer vergangenen Epoche. Einer Epoche, die in München viele Erinnerungen wachruft an die Zeit, als man zur Philharmonie im Gasteig pilgerte, um die Weltstars des Jazz zu hören. Einmal im Jahr, wenn der Klaviersommer, Münchens Internationales Jazzfestival, auch Jazzfans aus dem Ausland an die Isar lockte. Immerhin 25 Jahre lang war das so. 2006 zog sich der Ausrichter des Festivals Loft Music jedoch überraschend zurück, der Klaviersommer war Geschichte. Zwar macht das Hotel Bayerischer Hof seitdem als alleiniger Veranstalter mit Elan und kleinem Geldbeutel unter dem Label Münchner Jazzsommer weiterhin Konzerte, aber die Strahlkraft der früheren Jahre ist verloren gegangen. Ein klein wenig vom Glanz der alten Tage dürfte jedoch bald wieder zu spüren sein, wenn die Protagonisten des Klaviersommers wieder an ihre Wirkungsstätte zurückkehren. Zwar nicht in natura aber immerhin im satten 5.1 Surround-Sound. Denn die Gasteig GmbH und Loft Music haben im September eine neue Jazzreihe gestartet, bei der ausgewählte Fernsehmitschnitte aus 25 Jahren Klaviersommer präsentiert werden sollen. „AllThatJazz@Gasteig“ heißt diese Wiederkehr der alten Helden, die nicht nur nostalgisch ist, denn vor den Filmvorführungen in der Black-Box wird mit einem Konzert einer zeitgenössischen Jazzband der Brückenschlag zu den alten Meistern versucht. Bei der Eröffnungsveranstaltung im September hätte man zunächst fast den Eindruck gewinnen können, die geplanten Konzerte mit jungen Künstlern spielten nur eine geringfügige Rolle im Vergleich zu den DVD-Schätzen, die Manfred Frei, Geschäftsführer von Loft Music, aus seinen Archiven hervorzuzaubern gedenkt. Viel wurde gesprochen von den goldenen Zeiten, in denen die übermächtige Weltelite des Jazz zu ganz besonderen Darbietungen nach München gekommen war. Das Ende des Klaviersommers hätten die großen Künstler schließlich selbst herbeigeführt durch Dahinscheiden, Unpässlichkeit oder die Erkenntnis, bereits alles Wichtige gesagt zu haben. Ein Weiterführen des Festivals sei den Verantwortlichen vor diesem Hintergrund sinnlos erschienen. Eigentlich kein flammendes Plädoyer für die neue Musikergeneration. Vielleicht lag es aber doch eher an der in den letzten Jahren immer schwieriger gewordenen finanziellen Situation des Festivals, die Manfred Frei schließlich einräumte, nachdem sich die so wichtigen deutschen Kultursender immer weniger für die Konzertfilme aus München interessiert hatten. Bei AllThatJazz@Gasteig ist nun alles viel kleiner geworden. Zwar trifft man sich wieder wie früher im Gasteig, aber man wandelt nicht mehr durch die Galerien der ausladenden Philharmonie, sondern kuschelt in der Kleinkunst-Charme versprühenden Black-Box. Soundtechnisch und atmosphärisch ganz klar ein Gewinn. Und der Auftritt der Berliner Formation Cyminology um die persischstämmige Sängerin Cymin Samawatie, die am Auftaktabend noch ohne nachfolgenden Film aufspielen konnte, ließ erkennen, dass die Live-Konzerte kein bloßes „Vorprogramm“ zum Film, sondern eminent wichtig für die Lebendigkeit dieser neuen Reihe sein werden. Mit ihren einfühlsamen Vertonungen persischer Lyrik, die bisherigen CD-Einspielungen der Band bilden einen regelrechten Zyklus, schufen die vier Musiker das, was die Filme von Peterson, Corea und Co. nicht mehr werden heraufbeschwören können, die intime Atmosphäre eines unmittelbar erlebten Live-Konzerts, der emotionale Austausch zwischen Musikern und ihrem Publikum. Wenn man Schlagzeuger Ketan Bhatti dabei beobachtet, wie er sich auf überaus geschmackvolle Art der Gesangslinien von Cymin Samawatie annimmt und hört, wie Pianist Benedikt Jahnel seine reduzierte Begleitästhetik gussgenau darauf abstimmt, ist das sicherlich ebenso vergnüglich, wie ein Konzertmitschnitt von Friedrich Gulda und Chick Corea, die sich am Flügel duellieren – um Vieles musikalischer sowieso. So gesehen dürften also die geplanten zehn Konzert-/Filmabende für nostalgische und neuzeitlich orientierte Jazzfans Einiges zu bieten haben und wer nur eins von beiden sehen will, kann bei Kartenpreisen ab 10 € auch getrost auf einen der Programmpunkte verzichten. All that Jazz is back @ Gasteig. Gehen Sie hin, als Klaviersommer-Besucher kommen Sie vielleicht sogar im Film vor und können sich noch einmal mit 80er-Jahre-Dauerwellen-Föhnfrisur bewundern. Viel Spaß! Jörg Lichtinger |
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