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Je älter, desto besser. Was guten Wein ausmacht, gilt auch für das junge Jazzorchester Regensburg (JOR) – Volvo Big Band. Den Start in seine zweite Saison gestaltete Leader Ed Partyka mit seinen Mannen und – mittlerweile drei – Frauen und Sängerin Efrat Alony als Gast als faszinierenden, musikalisch dunkel geratenen Grenzgang zwischen deftigem Blues, Minimalismus und eigenwilligen, Hörgewohnheiten aufbrechenden Arrangements von Songs. „Jetzt haben wir sie mit so viel dunklen, melancholischen Arrangements in Moll in eine trübe Herbststimmung versetzt“, gab sich Partyka gegen Ende des Konzertes beim Jazzclub Regensburg reumütig. „So können wir sie nicht nach Hause gehen lassen.“ Sprach’s und legte mit dem heißen, knackigen Blues „Trouble and Woe“ ein erfrischendes Tempo vor. Solist Herwig Gradischnig am Tenorsax, der sich die Seele aus dem Leib blies, brachte die Stimmung in kürzester Zeit zum brodeln und das Publikum im fast voll besetzten Leeren Beutel ordentlich in Bewegung. Wer wollte es verdenken, dass danach Zugaben-Rufe nur mit einem musikalischen Zugeständnis zum Schweigen gebracht werden konnten. „Get happy“, ein flotter Swingklassiker von Benny Goodman, verband das Orchester in einem eigenwilligen Arrangement mit dem Gottesversprechen vom „Promised land“, eindrucksvoll gesungen von Efrat Alony, um sich bis Weihnachten zu verabschieden. Mit dem Standard „My One and Only Love“ in einer unorthodoxen, am Minimalismus orientierten Version geriet Alonys Einstand an dem Abend zu einem eindrucksvollen Statement. Die in Berlin lebende Komponistin hat schon häufiger mit Ed Partyka, unter anderem mit der Big Band des Hessischen Rundfunks, zusammengearbeitet. Daraus sind auch gemeinsame Songs entstanden, von denen sie das düster-eindringliche „Overcast“ und ein jüdisches, sehnsuchtsvolles Volkslied vorstellten. Mit einer hinreißenden Version von Tom Waits’ „Time“, das Alonys betörende Altstimme voll zur Entfaltung brachte, hätte die Sängerin sogar den obercoolen Verfasser Waits zum Weinen gebracht. Zwei eigene Songs, „And then I Think of You“ und das artifizielle „Silence Secret“ unterstrichen Alonys Kompositionstalent. Das Orchester präsentierte sich in absoluter Hochform. Es folgte Partyka in kniffligste Ecken und Winkel, lotete dynamische Schattierungen gefühlvoll und nuanciert bis in die tiefsten und höchsten Bereiche aus. Ein musikalischer und sinnlicher Genuss, der durch Partykas amüsante Moderation aufs Beste ergänzt wurde. Das Orchester könne jederzeit auch für ein privates Fest gebucht werden, bot er launig an, wenn man sich im Klaren sei, „dass danach Alkoholvorräte in einem Kilometer ums Eigenheim weg, der Kühlschrank leer und die Hauskatze schwanger ist!“ Kurt Fander |
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