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In seiner Biografie konzentriert sich en miniature die Geschichte des modernen Jazz: Paul Motian ist am 25. März 1931 in Providence, Rhode Island (USA) geboren. Er war maßgeblich an der Entwicklung und Erfindung von Richtung weisenden Konzepten beteiligt, und mit 70 Jahren gehört der Schlagzeuger immer noch zu den unermüdlichen Erneuerern improvisierter Musik. Nachdem er 1955 in New York zufällig bei einem Konzert der Thelonius Monk Band einsteigen konnte, weil deren Schlagzeuger Art Taylor nicht erschienen war, ist Paul Motian fast immer an der Seite von Jazzrevolutionären gewesen. Zunächst, zusammen mit Bassist Scott La Faro, beim legendären Trio des Pianisten Bill Evans (1959 bis 1964). Hier behauptete Paul Motian die Individualität für Schlagzeuger nicht nur stilistisch, sondern vor allem als gleichberechtigter Partner.
Charakteristisch für seinen Personalstil ist bis heute die Fragmentierung des rhythmischen Zeitkontinuums. Nicht mit ständig präsentem Beat, sondern mit Akzenten in einer pulsierenden Gesamtbewegung bestimmte Paul Motian die Rolle des Schlagzeugers neu. Der Swing veränderte sich somit von einer festen äußerlichen zu einer innerlich flexiblen Größe. Introvertiert blieb auch sein Spiel, im Unterschied zu manch spektakulärem Aktionismus einiger Kollegen. Für Paul Motian ist die Dosierung der Klänge wichtiger. Er entwickelte sich zum Poeten am Schlagzeug, für den Impulse zur richtigen Zeit, auch im Sinne melodischer Qualitäten, wesentlich sind. Auch und gerade wenn diese Impulse asymmetrisch zum Verlauf der Komposition waren und sind. Mit Keith Jarrett am Piano und Charlie Haden am Bass bildete er 1967
bis 1976 erneut ein Trio, dessen Musik poetische Expressivität und
freie Interaktionen kultivierte. Das linke politische Engagement Charlie
Hadens unterstützte Paul Motian insofern, als er an den großartigen
Aufnahmen des Liberation Music Orchestra beteiligt war und insbesondere
1982 an den Ballads Of The Fallen. Die Komponistin und Arrangeurin
Carla Bley verpflichtete ihn für das Stilgrenzen überwindende
Oratorium Escalator Over The Hill und für andere BigBand-Projekte. In der Jazztradition gab und gibt es so genannte Standards, Bearbeitungen populärer Stücke in diversen Stilen. Auch wenn solche Einspielungen nur widerwillig den Beifall von Puristen bekommen, so haben doch alle bedeutenden Jazzer Popfavoriten gehabt. Für Paul Motians jüngstes Projekt, das Trio Tethered Moon, hat der Pianist Masabumi Kikuchi 9 Chansons von Edith Piaf ausgewählt. Zusammen mit dem Grandseigneur emanzipierter Basskultur Gary Peacock pflegen die Musiker einen liebevollen Umgang mit diesen Liedern einer melancholischen Bohéme. Ob sie die Melodie zu Laccordéoniste aus Assoziationen entstehen lassen oder Piano und Bass unisono Sous le ciel de Paris intonieren, um dann kollektiv die Gedanken zu festigen: Die Interpretationen vollziehen sich als unwiederholbare Eingebungen von Augenblicken, in denen die Musiker mit Respekt und Bewunderung dieser Chansons gedenken. Mit gleichem Respekt ist Paul Motian zu gratulieren, dass er als Persönlichkeit wie als Schlagzeuger den Wachstumsprozess noch nicht abgeschlossen hat.
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