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 2001/03

 seite 3
 editorial

 

Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 02/2001


Inhalt 2001/03

standards
Editorial
News
Farewall
Fortbildung
Glossar: Quartette

berichte
Triocolor mit „Colours of Ghana“
10-jähriges Jubiläum im Neuburger Birdland
Dusko Goykovich-Quintett im Jazzstudio Nürnberg

jazz heute
Nils Landgren soll das Jazzfest Berlin neu erfinden
Break (von Joe Viera)

jubilee - portrait
Drummer Paul Motian wird siebzig
Die Münchener Kultur-Agentur Triptychon
25 Jahre Jazzzeitung

play back.
Friedrich Guldas Vermächtnis auf einer DVD
CD-Anthologie mit Free Jazz aus der DDR

education
Keine zwei Welten.
Auch Kinder sind für Jazz empfänglich

dossier
Vereine sind auch nur Menschen. 10 Jahre Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern
Wichtige Ziele erreicht.
Wie funktioniert eigentlich Jazzförderung in Bayern?
Service: Die Feierlichkeiten

medien/service
Link-Tipps
Charts
Rezensionen 2001/03
Service-Pack 2001/03 als pdf-Datei ( Clubadressen, Kalender, Jazz in Radio & TV Jazz in Bayern und anderswo (223 kb))

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

eigentlich hätte Dave Brubeck doch ein Portrait in der Jazzzeitung verdient gehabt zu seinem 80. Geburtstag am 6. Dezember 2000. Quasi ein verspäteter Geburtstagsgruß ist die vorliegende Ausgabe mit Brubeck auf dem Titel. Zwar tritt der Star weder in München noch in Ingolstadt auf, doch ich bin überzeugt, dass einer der seltenen Auftritte des Pianisten auch eine etwas längere Anfahrt zum „Jazz Lights“-Festival in Oberkochen wert ist.
Auch wenn Brubeck unter „Hardcore-Jazzern“ immer umstritten war, so trug er viel zur Popularität des Jazz bei, spätestens seit Paul Desmonds „Take Five“ zum Gassenhauer wurde. Populär ist Brubeck noch heute: Gibt der Grandseigneur des Jazzpianos heute ein Konzert, dann stehen die Leute Schlange. So wird es wohl auch bei „Jazz Lights“ in Oberkochen sein, wo der 80-jährige Brubeck mit seinem 14 Jahre jüngeren Kollegen Jacques Loussier (den hat die Jazzpolizei sogar aus den gängigen Jazzlexika verbannt) auf der Grundlage von Kontrapunkt und orchestralem Engagement jazzt. Dave Brubecks frühe Beiträge zur Jazzgeschichte würdigt jetzt eine neue CD „Birthday Celebration“ mit Aufnahmen aus den späten 40er- und frühen 50er-Jahren. Eine Rezension finden Sie auf Seite 21.

Andreas Kolb

Heute gehört Brubeck fraglos zu den „elder statesmen“ des Jazz, um ästhetische Grabenkämpfe muss er sich nicht mehr scheren. Dagegen ist der Jazz- und Klassik-Trompeter Wynton Marsalis (mit dem Lincoln Center Orchestra am 1. März in München) immer wieder in solche Diskussionen verstrickt, denen auch eine kulturpolitische Dimension nicht abgeht. Erst kürzlich löste eine 19-stündige TV-Dokumentation „Jazz“ des US-Journalisten Ken Burns hitzige Debatten in der amerikanischen Öffentlichkeit aus. Burns hatte sich hauptsächlich vom Neotraditionalisten Marsalis beraten lassen, und so entstand wohl ein Bild des Jazz, bei dem sich mancher Zeitgenosse, der nicht selbst am Lincoln Center in New York tätig ist, ausgeschlossen fühlte. Fragen nach dem Ursprung des Jazz, nach seiner ethnischen Herkunft und Identität beantworte diese TV-Sendung – so die Kritiker – zu subjektiv. Wir werden in einer der kommenden Ausgaben genauer berichten.

Als Europäer fühlt man sich bei diesem Thema von vorneherein diskriminiert, denn vom europäischen Jazz redet sowieso keiner in dieser Auseinandersetzung. Wieder einmal schaut man neidvoll in Richtung USA. Dort gibt es doch tatsächlich noch eine kulturpolitische Debatte größeren Rahmens, in der der Jazz die Hauptrolle spielt. Bei uns dagegen findet dieser Musikstil noch immer in einem hermetischen Zirkel statt, eine breitere Öffentlichkeit nimmt ihn nicht war.

Für dieses leidige „Jazz im Abseits“-Thema ist eine Äußerung eines von mir eigentlich sehr geschätzten E-Musik-Rezensenten bezeichnend. Während eines Gesprächs stellte er forsch die These auf: „Jazz entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, blühte auf im 20. Jahrhundert und ist mit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts selbst auch am Ende.“ Das saß.
Doch ich konnte kontern und lud ihn ein zu unserer Feier anlässlich des fünfundzwanzigjährigen Bestehens der Jazzzeitung (siehe Seite 6 und 7). Dort spielte nämlich Jens Thomas mit Triocolor den lebendigsten Jazz, den man sich vorstellen kann. Hörte man an diesem Abend, wie Thomas mit afrikanischen, amerikanischen und europäischen Jazz-Traditionen spielerisch umzugehen weiß, dann braucht man das Ende des Jazz gewiss nicht zu fürchten.

Und wer hören wollte, wie ein Jazzmusiker Neue Musik spielt und sie improvisatorisch weiterspinnt, der musste nur ein paar Tage später in den Münchener Marstall gehen, wo Jens Thomas zusammen mit der Neue-Musik-Pianistin Yukiko Sugawara einen Duoabend mit Werken von Helmut Lachenmann, Morton Feldman und Darius Milhaud bestritt.

Andreas Kolb

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