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eigentlich hätte Dave Brubeck doch ein Portrait in der Jazzzeitung
verdient gehabt zu seinem 80. Geburtstag am 6. Dezember 2000. Quasi ein
verspäteter Geburtstagsgruß ist die vorliegende Ausgabe mit
Brubeck auf dem Titel. Zwar tritt der Star weder in München noch
in Ingolstadt auf, doch ich bin überzeugt, dass einer der seltenen
Auftritte des Pianisten auch eine etwas längere Anfahrt zum Jazz
Lights-Festival in Oberkochen wert ist.
Heute gehört Brubeck fraglos zu den elder statesmen des Jazz, um ästhetische Grabenkämpfe muss er sich nicht mehr scheren. Dagegen ist der Jazz- und Klassik-Trompeter Wynton Marsalis (mit dem Lincoln Center Orchestra am 1. März in München) immer wieder in solche Diskussionen verstrickt, denen auch eine kulturpolitische Dimension nicht abgeht. Erst kürzlich löste eine 19-stündige TV-Dokumentation Jazz des US-Journalisten Ken Burns hitzige Debatten in der amerikanischen Öffentlichkeit aus. Burns hatte sich hauptsächlich vom Neotraditionalisten Marsalis beraten lassen, und so entstand wohl ein Bild des Jazz, bei dem sich mancher Zeitgenosse, der nicht selbst am Lincoln Center in New York tätig ist, ausgeschlossen fühlte. Fragen nach dem Ursprung des Jazz, nach seiner ethnischen Herkunft und Identität beantworte diese TV-Sendung so die Kritiker zu subjektiv. Wir werden in einer der kommenden Ausgaben genauer berichten. Als Europäer fühlt man sich bei diesem Thema von vorneherein diskriminiert, denn vom europäischen Jazz redet sowieso keiner in dieser Auseinandersetzung. Wieder einmal schaut man neidvoll in Richtung USA. Dort gibt es doch tatsächlich noch eine kulturpolitische Debatte größeren Rahmens, in der der Jazz die Hauptrolle spielt. Bei uns dagegen findet dieser Musikstil noch immer in einem hermetischen Zirkel statt, eine breitere Öffentlichkeit nimmt ihn nicht war. Für dieses leidige Jazz im Abseits-Thema ist eine Äußerung
eines von mir eigentlich sehr geschätzten E-Musik-Rezensenten bezeichnend.
Während eines Gesprächs stellte er forsch die These auf: Jazz
entstand Anfang des 20. Jahrhunderts, blühte auf im 20. Jahrhundert
und ist mit dem Ende des vergangenen Jahrhunderts selbst auch am Ende.
Das saß. Und wer hören wollte, wie ein Jazzmusiker Neue Musik spielt und sie improvisatorisch weiterspinnt, der musste nur ein paar Tage später in den Münchener Marstall gehen, wo Jens Thomas zusammen mit der Neue-Musik-Pianistin Yukiko Sugawara einen Duoabend mit Werken von Helmut Lachenmann, Morton Feldman und Darius Milhaud bestritt. Andreas Kolb |
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