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 2001/03

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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 02/2001


Inhalt 2001/03

standards
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Glossar: Quartette

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Triocolor mit „Colours of Ghana“
10-jähriges Jubiläum im Neuburger Birdland
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jazz heute
Nils Landgren soll das Jazzfest Berlin neu erfinden
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Friedrich Guldas Vermächtnis auf einer DVD
CD-Anthologie mit Free Jazz aus der DDR

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Vereine sind auch nur Menschen. 10 Jahre Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern
Wichtige Ziele erreicht.
Wie funktioniert eigentlich Jazzförderung in Bayern?
Service: Die Feierlichkeiten

medien/service
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Rezensionen 2001/03
Service-Pack 2001/03 als pdf-Datei ( Clubadressen, Kalender, Jazz in Radio & TV Jazz in Bayern und anderswo (223 kb))

 

Transit-Erfahrung

CD-Anthologie mit Free Jazz aus der DDR


Persönliche Freiheiten wurden in der DDR als Protesthaltungen beargwöhnt. Gerade wenn solche Freiheiten öffentliche Aufmerksamkeit beanspruchten wie beim Jazz, dessen Kennzeichen Individualität und der in gewisser Hinsicht auch immer eine unberechenbare Kunstform ist, waren Konflikte unvermeidlich. Denn seine Protagonisten ließen sich nicht umstandslos auf offizielle Kulturlinien schieben. Umso erstaunlicher ist der Befund, dass sich seit den 60er-Jahren die rebellischen Töne des Free Jazz in der DDR behaupten konnten.

Der Pianist Joachim Kühn war einer der ersten, die das Korsett des Be- & Hardbop lockerten, er steuerte die Entwicklung nicht von, sondern zu einem Thema, nämlich als Riff am Ende von „Soldat Tadeus“ aus dem Jahre 1964. Bis dahin wirbelt er Kaskaden auf den Tasten, wobei seine klassische Ausbildung hörbar ist. Für „Soldat Tadeus“ ergänzte Kühn sein Trio um die Klarinette seines Bruders Rolf sowie das Tenorsaxophon von Michael Urbaniak. Dieses Stück zeigt exemplarisch die Ablehnung amerikanischer Konventionen, und eine Haltung, sich davon zu befreien. Auch der Klarinettist Friedrich Schönfeld wandte sich auf diese Weise ab, flächige Thematik und ungezwungen schwebende Interaktionen auf strammem Rhythmus bewegen seine „Trio – Dimensionen“.

In den 70er-Jahren verschoben sich die Akzente, die Musiker fragten nach und probierten Material anderer Sparten: „Kein Klagelied“ vom Saxophonisten Ernst-Ludwig Petrowsky fügt ein funky Thema und Choral-Fragmente zusammen oder der Pianist Ulrich Gumpert persifliert in „Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht“ Marschmusik und führt durch Improvisationen ad absurdum. Statt „Freiheiten von“ waren „Freiheit wozu“ auf dem Plan, Konzepte, für die sich die Musiker eigene Grundlagen schufen. Etwa der eigenwillige Schlagzeuger Günther „Baby“ Sommer mit seinem „rezitativen“ Stil in „Wenn der kleine Finger nicht wär“ oder der Exzentriker Manfred Schulze, der mit originellen Nähten freie Improvisationen und serielle Kompositionstechniken verschweißte. Gleichberechtigt daneben entspannte Ausflüge nach Tonalistan wie der muntere „Walzer für John“ von Posaunist Conrad Bauer.

Fachkundig von Bert Noglik ausgewählt und kommentiert sind diese und einige weitere Stationen des „Free Jazz in der DDR“ auf der CD gleichen Titels zu hören. Die sorgfältige Zusammenstellung lässt erahnen, welche Vielfalt im Jazz sich trotz aller Repressionen bilden konnte. Diese Aufnahmen sind deshalb auch Zeugnisse unbeugsamer Charaktere.

Hans-Dieter Grünefeld


CD-Tipp

  • Free Jazz in der DDR (Musik in Deutschland 1950–2000)
    BMG/RCA Red Seal 74321 73506 2

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