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Sehr wohl unterscheidet sie sich dagegen, was Inhalt und Ziel ihres Daseins angeht. Sie trägts namentlich vor sich her. Die LAG Jazz kümmert sich: Um verbessertes Wissen über diese ursprünglich amerikanische Popularmusik. Um breitere Akzeptanz für Jazz, der mit seinen zahllosen Verästelungen heute vielfältiger ist, als jede andere Musikform der Welt. Um stärkere Verankerung in der musikalischen Ausbildung. Um attraktivere Auftrittsmöglichkeiten für bayerische Jazzmusiker. Um differenziertere Wahrnehmung in Medien und Öffentlichkeit und und und Kurz und gut, um so ziemlich alles, was die Situation der Jazzszene in Bayern verbessern kann. Nur das Musikmachen überlässt der Verein seinen Vorständen. Richard Wiedamann, noch amtierender Vorsitzender, spielt Klavier, Joe Viera (2. Vorsitzender) Saxophon. Bei der Mitgliederversammlung, die diesen Monat in Regensburg stattfindet, wird ein neuer Vorstand gewählt. Nach einer schweren Erkrankung möchte Wiedamann das zeit- und kräfteraubende Amt gern an einen Jüngeren abgeben.
Anlass für die Gründung im März 1991 war das Bayerische Jazzinstitut, das im Herbst des gleichen Jahres über Bayern kam und für das ein Rechtsträger benötigt wurde. Plötzlich hatte die Szene eine eigene Anlaufstelle. Doch so recht schien kaum jemand zu wissen, was damit geschehen soll. Klare Vorstellungen jedoch hatte Richard Wiedamann, bis heute ehrenamtlicher Leiter des Instituts. Zentrale Beratungs- und Informationsstelle für Musiker und Clubs sollte es sein, aber auch für Medien und Kulturpolitiker. Man wollte Projekte anschieben und die Zusammenarbeit mit Jazzern ehemaliger Ostblockstaaten fördern. Die Mitglieder machten sich an die Arbeit. Alle erprobte Tausendsassas, die zu Hause jahre- und jahrzehntelang ehrenamtlich Kulturarbeit in Clubs geleistet haben und nach wie vor leisten. Ein jazzpädagogischer Arbeitskreis wühlte sich durch bayerische Lehrpläne, verglich, analysierte und erarbeitete konkrete Verbesserungsvorschläge. Eingang in die Lehrpläne der Schulen fanden sie nicht, bedauert Wiedamann die fehlende Umsetzung. Demotivierend für die fleißigen LAGler, die regelmäßig lange Fahrzeiten und persönliche Zeit aufbrachten, der Arbeitskreis versandete irgendwann. Erfolgreicher gestaltete sich eine Buchreihe, in der auch einige wichtige Handbücher mit Porträts bayerischer Musiker erschienen sind. Als Bestandsaufnahme der Szene in Bayern wird die Reihe peu a peu ausgebaut. Auch am Landes-Wettbewerb Jugend jazzt!, durchgeführt von der Musikakademie Marktoberdorf, hat die LAG Jazz mittelbar und unmittelbar erheblichen Anteil. Erstmals erhielt die Jazzszene mit der LAG Jazz einen Sitz im Landesmusikrat. In dem Gremium spricht der LAG-Vertreter für den Jazz, wird gehört und kann Projekte wie Jugend jazzt! initiieren oder mitgestalten, sagt Wiedamann. Indirekt wirkt sich das auch auf das öffentliche Ansehen des Jazz aus, ist er sich sicher. Misslungen ist dem Verein nach Wiedamanns Einschätzung, auf die Medienschiene aufzuspringen. Während es im Rundfunk mit der Münchner Jazzwelle und Jazztime Nürnberg Ansätze gibt, den Jazz nach außen wirkungsvoll darzustellen, habe man zum Fernsehen keinen Zugang. Die Ausstattung des Jazzinstituts, das vom Land und der Stadt Regensburg bezuschusst wird, weckte irgendwann auch Begehrlichkeiten. Einige LAG-Mitglieder wollten lieber Clubs und Musiker direkt gefördert sehen. Aus der Auseinandersetzung entwickelte sich als Kompromiss das Young Lions-Projekt, mit dem Auftritte begabter Jazzhochschüler subventioniert wurden. Letztlich wurde das Projekt auf Eis gelegt. Das Institut, zugleich Geschäftsstelle der LAG Jazz, ist personell längst an seine Grenzen gestoßen. Der als Einstieg geplante Start mit einer Fachkraft ist zur Dauereinrichtung geworden. Es fehlt den 17 Mitgliedsorganisationen, die bayernweit gerade mal 3000 Mitglieder auf die Politwaage bringen, an gesellschaftlichem und politischem Gewicht, um ihre Anliegen nach besserer finanzieller und personeller Ausstattung wirkungsvoll zu vertreten. Unterkriegen lässt sich die LAG Jazz davon nicht. Richard Wiedamann rechnet fest mit neuen Initiativen eines neuen Vorstands und vielleicht lässt sich die nächste Generation ja auch ganz neue Wege einfallen, an die für neue Projekte nötigen Mittel zu gelangen.
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