Das Thema Jazzförderung in Bayern stand im Mittelpunkt
eines Gesprächs von Jazzzeitungs-Chefredakteur Andreas Kolb mit Ministerialrat
Dirk Hewig, Leiter des Musikreferats am Bayerischen Staatsministerium
für Wissenschaft, Forschung und Kunst.
Jazzzeitung: Herr Dr. Hewig, in welcher Form fördert der
Freistaat den Jazz in Bayern?
Dirk Hewig: Der Schwerpunkt der Jazzförderung liegt einmal
in der Ausbildung an den Konservatorien und Hochschulen für Musik,
zum anderen aber in der Arbeit des Bayerischen Jazzinstituts, in der
Nachwuchsförderung wie dem Landesjugendjazzorchetser (LJJO) und
dem Wettbewerb Jugend jazzt. Fürs Jazzinstitut geben
wir im Jahr 100.000 Mark als Zuschuss, die Stadt Regensburg gibt noch
mal 25.000 Mark, damit wird die Miete des Jazzinstituts weitgehend abgedeckt.
Richard Wiedamann, der ehrenamtliche Leiter des Jazzinstituts, war bis
vor kurzem schwer erkrankt. Auch wenn der Leiter das in Zukunft weiterführen
kann, suchen wir eine Lösung, wie diese Aufgaben unabhängig
von seiner Person wahrgenommen werden können. Aus diesen Gründen
werden wir sehr wahrscheinlich den Zuschuss an das Institut erhöhen
müssen, um eine angemessen ausgestattete Stelle für eine qualifizierte
Kraft zu schaffen.
JZ: Ein Schwerpunkt liegt nach wie vor auf der Nachwuchsförderung?
Hewig: Wir haben ein Landesjugendorchester für die E-Musik.
Etwas Paralleles wollten wir mit dem Landesjugendjazzorchester erreichen.
Das Bayerische Wissenschaftsministerium beteiligte sich deshalb an der
Gründung eines Landesjugendjazzorchesters. Für dieses LJJO
gibt der Freistaat Bayern jährlich 120.000 Mark aus.
Dazu kommt die Einbeziehung des Jazz in Stipendien- und Preisvergabe;
außerdem gibt es eine Anzahl von Jazzfestivals, die vom Freistaat
Bayern mit verhältnismäßig geringen Mitteln gefördert
werden, darunter die in Burghausen, Ingolstadt, Rosenheim, Vilshofen,
Würzburg, München und Nürnberg. Die einzelnen Jazzclubs
in den Städten zu fördern, ist dagegen Aufgabe der Kommune.
JZ: Welchen Stellenwert hat Jazz im Vergleich zu Rock- und E-Musik?
Hewig: 1978 kam der erste bayerische Musikplan heraus. Da finden
Sie das Wort Jazz überhaupt nicht. Auch die Worte Rock und Pop
sind darin nicht enthalten. Der zweite von der Staatsregierung herausgegebene
Musikplan von 1989 befasst sich jeweils in einem Kapitel mit dem Jazz
und mit der Rock- und Popmusik. Von da an hat sich das Wissenschaftsministerium
sehr darum bemüht auch diese Bereiche in die Förerdung mit
einzubeziehen. Das fiel aber gerade in die Zeit, als die Musikpflegemittel
keine größeren Zuwächse mehr erhielten, sondern eher
stagnierten. Von daher ist es außerordentlich schwierig die Jazz-
oder auch Rockmusik entsprechend den anderen Musikbereichen zu fördern.
Wir geben für die Jazzmusik pro Jahr ungefähr 300.000 Mark
aus. 100.00 fürs Jazzinstitut, 120.000 für das LJJO und 70.000
für einzelne Jazzfestivals. Das ist nicht ausreichend und wenn
wir mal wieder größere Zuwächse bei Musikpflegemitteln
erhalten, würden wir insbesondere den Jazz stärker fördern.
Für den Bereich Rock und Pop geben wir in etwa die gleiche Summe
aus. Auch hier besteht ein erheblicher Nachholbedarf .
JZ: Diesen März kann die LAG, die Landesarbeitsgemeinschaft
Jazz in Bayern, auf zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Vor
allem im Ausbildungsbereich erreichte die LAG viel Positives. Dennoch
hat die Jazzszene ganz allgemein Sorgen mit verschuldeten Clubs, hohen
Ausländersteuern, leeren Sälen. Was wünschen Sie sich von
der Arbeit der LAG unter diesen Gegebenheiten?
Hewig: Zunächst einmal waren wir dankbar, dass sich die
LAG Jazz gebildet hat. Mit der LAG Jazz hatten wir einen Träger
für das Jazzinstitut gefunden und das hat sich auch hervorragend
bewährt. Das Problem des Jazz liegt wohl auch darin, dass die Vertreter
der einzelnen Initiativen, AGs und Clubs alles ausgeprägte Individualisten
sind und das auch wohl für die Jazzmusiker gilt. Eine Koordination
dieser Individualisten ist sehr schwierig. Da haben gerade Richard Wiedamann,
Joe Viera und einige andere ganz hervorragende Arbeit geleistet. Wie
man die Szene weiter koordiniert und auch die Kräfte bündelt,
damit politisch ein größeres Gewicht entsteht, da bin ich
selbst etwas überfragt. Doch da vertraue ich auf die Vertreter
der LAG.
JZ: Hat der Jazz mit den neu geschaffenen bezirklichen Popularmusikbeauftragten
eine stärkere Lobby?
Hewig: Der Freistaat Bayern und das Ministerium begrüßen
es sehr, wenn die Bezirke einen Popularmusikbeauftragten bestellen.
Ich glaube, ein solcher Beauftragter ist schon ein Koordinierungsinstrument,
um die verschiedenen Kräfte zu bündeln und auch nach oben
hin zusammen zu führen.
Was mir wichtig erscheint, wäre dieses: Die Abgeordneten des Bayerischen
Landtages beschließen über unseren Etat. Wenn ein Abgeordneter
einen Jazzclub besucht und das aus unmittelbarer Anschauung erlebt,
würde sich das sicher positiv auf die Bewilligungen des Landtags
auswirken. Deswegen kann ich nur allen Jazzverantwortlichen und -freunden
sagen: Laden Sie nicht nur den Musikreferenten des Ministeriums, sondern
auch die Abgeordneten des Bayerischen Landtages ein. Das könnte
viel bringen, finanziell und an sonstiger Unterstützung.
JZ: Wie gefällt Ihnen die Jazzzeitung in ihrer neuen Form?
Hewig: Zunächst einmal begrüße ich die Jazzzeitung
sehr, weil sie in kurzer knapper Form übersichtlich informiert.
Das ist für mich, der ich sehr viele Bereiche beackern muss und
umfassend informiert sein muss, eine wertvolle Hilfe. Ich finde es auch
gut, dass sie sich nicht nur auf München oder Bayern beschränkt,
sondern auch bundesweite und internationale Information bringt.
JZ: Die Jazzzeitung richtet sich sowohl an den Profimusiker als
auch an den Dilletanten, der einfach Spaß am Jazzen hat. Wie hält
es das Ministerium mit diesen unterschiedlichen Zielgruppen?
Hewig: Wir haben uns bemüht, dass an den Musikschulen
auch Jazz unterrichtet wird, dass es dort Big Bands gibt. Gleiches gilt
für die allgemein bildenden Schulen. Das ist Laienarbeit. Dann
haben wir uns sehr bemüht, den Jazz auch in die Ausbildungen für
Musiklehrer zu integrieren.
JZ: Ist ein Jazz-Hochschulstudiengang im Freistaat (an der Musikhochschule
Augsburg-Nürnberg) nicht zu wenig?
Hewig: Nachdem Nürnberg zur Hochschule erhoben wird, wird
der Studiengang Jazz weiter ausgebaut. Es gibt eine C4-Professur, die
in Kürze besetzt wird, es gibt eine C3-Professur und dann noch
eine weitere, die auf zwei Personen aufgeteilt wird. In Zukunft wird
es vier Professoren für Jazz in Nürnberg geben. Bald wird
außerdem das Hermann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg inklusive
seiner Jazzausbildung in die dortige Hochschule für Musik integriert
werden. Das ist die zweite Hochschulausbildung in Bayern für Jazzmusiker.
Bereits jetzt kann man am Münchener Richard-Strauss-Konservatorium
in Kooperation mit Nürnberg/Augsburg ein Jazz-Hochschuldiplom erwerben.
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