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 2001/03

 seite 31
 dossier

 

Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 02/2001


Inhalt 2001/03

standards
Editorial
News
Farewall
Fortbildung
Glossar: Quartette

berichte
Triocolor mit „Colours of Ghana“
10-jähriges Jubiläum im Neuburger Birdland
Dusko Goykovich-Quintett im Jazzstudio Nürnberg

jazz heute
Nils Landgren soll das Jazzfest Berlin neu erfinden
Break (von Joe Viera)

jubilee - portrait
Drummer Paul Motian wird siebzig
Die Münchener Kultur-Agentur Triptychon
25 Jahre Jazzzeitung

play back.
Friedrich Guldas Vermächtnis auf einer DVD
CD-Anthologie mit Free Jazz aus der DDR

education
Keine zwei Welten.
Auch Kinder sind für Jazz empfänglich

dossier
Vereine sind auch nur Menschen. 10 Jahre Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern
Wichtige Ziele erreicht.
Wie funktioniert eigentlich Jazzförderung in Bayern?
Service: Die Feierlichkeiten

medien/service
Link-Tipps
Charts
Rezensionen 2001/03
Service-Pack 2001/03 als pdf-Datei ( Clubadressen, Kalender, Jazz in Radio & TV Jazz in Bayern und anderswo (223 kb))

 

Wichtige Ziele erreicht

Wie funktioniert eigentlich Jazzförderung in Bayern?

Das Thema „Jazzförderung in Bayern“ stand im Mittelpunkt eines Gesprächs von Jazzzeitungs-Chefredakteur Andreas Kolb mit Ministerialrat Dirk Hewig, Leiter des Musikreferats am Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Jazzzeitung: Herr Dr. Hewig, in welcher Form fördert der Freistaat den Jazz in Bayern?

Dirk Hewig: Der Schwerpunkt der Jazzförderung liegt einmal in der Ausbildung an den Konservatorien und Hochschulen für Musik, zum anderen aber in der Arbeit des Bayerischen Jazzinstituts, in der Nachwuchsförderung wie dem Landesjugendjazzorchetser (LJJO) und dem Wettbewerb „Jugend jazzt“. Fürs Jazzinstitut geben wir im Jahr 100.000 Mark als Zuschuss, die Stadt Regensburg gibt noch mal 25.000 Mark, damit wird die Miete des Jazzinstituts weitgehend abgedeckt. Richard Wiedamann, der ehrenamtliche Leiter des Jazzinstituts, war bis vor kurzem schwer erkrankt. Auch wenn der Leiter das in Zukunft weiterführen kann, suchen wir eine Lösung, wie diese Aufgaben unabhängig von seiner Person wahrgenommen werden können. Aus diesen Gründen werden wir sehr wahrscheinlich den Zuschuss an das Institut erhöhen müssen, um eine angemessen ausgestattete Stelle für eine qualifizierte Kraft zu schaffen.

Offenes Ohr auch für Jazz: Dirk Hewig, Musikreferent im Bayerischen Wissenschaftsministerium

JZ: Ein Schwerpunkt liegt nach wie vor auf der Nachwuchsförderung?

Hewig: Wir haben ein Landesjugendorchester für die E-Musik. Etwas Paralleles wollten wir mit dem Landesjugendjazzorchester erreichen. Das Bayerische Wissenschaftsministerium beteiligte sich deshalb an der Gründung eines Landesjugendjazzorchesters. Für dieses LJJO gibt der Freistaat Bayern jährlich 120.000 Mark aus.
Dazu kommt die Einbeziehung des Jazz in Stipendien- und Preisvergabe; außerdem gibt es eine Anzahl von Jazzfestivals, die vom Freistaat Bayern mit verhältnismäßig geringen Mitteln gefördert werden, darunter die in Burghausen, Ingolstadt, Rosenheim, Vilshofen, Würzburg, München und Nürnberg. Die einzelnen Jazzclubs in den Städten zu fördern, ist dagegen Aufgabe der Kommune.

JZ: Welchen Stellenwert hat Jazz im Vergleich zu Rock- und E-Musik?

Hewig: 1978 kam der erste bayerische Musikplan heraus. Da finden Sie das Wort Jazz überhaupt nicht. Auch die Worte Rock und Pop sind darin nicht enthalten. Der zweite von der Staatsregierung herausgegebene Musikplan von 1989 befasst sich jeweils in einem Kapitel mit dem Jazz und mit der Rock- und Popmusik. Von da an hat sich das Wissenschaftsministerium sehr darum bemüht auch diese Bereiche in die Förerdung mit einzubeziehen. Das fiel aber gerade in die Zeit, als die Musikpflegemittel keine größeren Zuwächse mehr erhielten, sondern eher stagnierten. Von daher ist es außerordentlich schwierig die Jazz- oder auch Rockmusik entsprechend den anderen Musikbereichen zu fördern. Wir geben für die Jazzmusik pro Jahr ungefähr 300.000 Mark aus. 100.00 fürs Jazzinstitut, 120.000 für das LJJO und 70.000 für einzelne Jazzfestivals. Das ist nicht ausreichend und wenn wir mal wieder größere Zuwächse bei Musikpflegemitteln erhalten, würden wir insbesondere den Jazz stärker fördern. Für den Bereich Rock und Pop geben wir in etwa die gleiche Summe aus. Auch hier besteht ein erheblicher Nachholbedarf .

JZ: Diesen März kann die LAG, die Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern, auf zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Vor allem im Ausbildungsbereich erreichte die LAG viel Positives. Dennoch hat die Jazzszene ganz allgemein Sorgen mit verschuldeten Clubs, hohen Ausländersteuern, leeren Sälen. Was wünschen Sie sich von der Arbeit der LAG unter diesen Gegebenheiten?

Hewig: Zunächst einmal waren wir dankbar, dass sich die LAG Jazz gebildet hat. Mit der LAG Jazz hatten wir einen Träger für das Jazzinstitut gefunden und das hat sich auch hervorragend bewährt. Das Problem des Jazz liegt wohl auch darin, dass die Vertreter der einzelnen Initiativen, AGs und Clubs alles ausgeprägte Individualisten sind und das auch wohl für die Jazzmusiker gilt. Eine Koordination dieser Individualisten ist sehr schwierig. Da haben gerade Richard Wiedamann, Joe Viera und einige andere ganz hervorragende Arbeit geleistet. Wie man die Szene weiter koordiniert und auch die Kräfte bündelt, damit politisch ein größeres Gewicht entsteht, da bin ich selbst etwas überfragt. Doch da vertraue ich auf die Vertreter der LAG.

JZ: Hat der Jazz mit den neu geschaffenen bezirklichen Popularmusikbeauftragten eine stärkere Lobby?

Hewig: Der Freistaat Bayern und das Ministerium begrüßen es sehr, wenn die Bezirke einen Popularmusikbeauftragten bestellen. Ich glaube, ein solcher Beauftragter ist schon ein Koordinierungsinstrument, um die verschiedenen Kräfte zu bündeln und auch nach oben hin zusammen zu führen.
Was mir wichtig erscheint, wäre dieses: Die Abgeordneten des Bayerischen Landtages beschließen über unseren Etat. Wenn ein Abgeordneter einen Jazzclub besucht und das aus unmittelbarer Anschauung erlebt, würde sich das sicher positiv auf die Bewilligungen des Landtags auswirken. Deswegen kann ich nur allen Jazzverantwortlichen und -freunden sagen: Laden Sie nicht nur den Musikreferenten des Ministeriums, sondern auch die Abgeordneten des Bayerischen Landtages ein. Das könnte viel bringen, finanziell und an sonstiger Unterstützung.

JZ: Wie gefällt Ihnen die Jazzzeitung in ihrer neuen Form?

Hewig: Zunächst einmal begrüße ich die Jazzzeitung sehr, weil sie in kurzer knapper Form übersichtlich informiert. Das ist für mich, der ich sehr viele Bereiche beackern muss und umfassend informiert sein muss, eine wertvolle Hilfe. Ich finde es auch gut, dass sie sich nicht nur auf München oder Bayern beschränkt, sondern auch bundesweite und internationale Information bringt.

JZ: Die Jazzzeitung richtet sich sowohl an den Profimusiker als auch an den Dilletanten, der einfach Spaß am Jazzen hat. Wie hält es das Ministerium mit diesen unterschiedlichen Zielgruppen?

Hewig: Wir haben uns bemüht, dass an den Musikschulen auch Jazz unterrichtet wird, dass es dort Big Bands gibt. Gleiches gilt für die allgemein bildenden Schulen. Das ist Laienarbeit. Dann haben wir uns sehr bemüht, den Jazz auch in die Ausbildungen für Musiklehrer zu integrieren.

JZ: Ist ein Jazz-Hochschulstudiengang im Freistaat (an der Musikhochschule Augsburg-Nürnberg) nicht zu wenig?

Hewig: Nachdem Nürnberg zur Hochschule erhoben wird, wird der Studiengang Jazz weiter ausgebaut. Es gibt eine C4-Professur, die in Kürze besetzt wird, es gibt eine C3-Professur und dann noch eine weitere, die auf zwei Personen aufgeteilt wird. In Zukunft wird es vier Professoren für Jazz in Nürnberg geben. Bald wird außerdem das Hermann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg inklusive seiner Jazzausbildung in die dortige Hochschule für Musik integriert werden. Das ist die zweite Hochschulausbildung in Bayern für Jazzmusiker.
Bereits jetzt kann man am Münchener Richard-Strauss-Konservatorium in Kooperation mit Nürnberg/Augsburg ein Jazz-Hochschuldiplom erwerben.

 

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