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 2001/03

 seite 10
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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 02/2001


Inhalt 2001/03

standards
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Glossar: Quartette

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Triocolor mit „Colours of Ghana“
10-jähriges Jubiläum im Neuburger Birdland
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jubilee - portrait
Drummer Paul Motian wird siebzig
Die Münchener Kultur-Agentur Triptychon
25 Jahre Jazzzeitung

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Friedrich Guldas Vermächtnis auf einer DVD
CD-Anthologie mit Free Jazz aus der DDR

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Auch Kinder sind für Jazz empfänglich

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Wichtige Ziele erreicht.
Wie funktioniert eigentlich Jazzförderung in Bayern?
Service: Die Feierlichkeiten

medien/service
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Rezensionen 2001/03
Service-Pack 2001/03 als pdf-Datei ( Clubadressen, Kalender, Jazz in Radio & TV Jazz in Bayern und anderswo (223 kb))

 

Posaunist der Moderne

Zum Tod von J.J. Johnson – Abschied von einem Vorbild

In einem doppelten Wortsinne war der am 22. Januar 1924 in Indianapolis geborene Jay Jay Johnson der erste Posaunist des modernen Jazz. Er hatte schon eine beachtliche Karriere in Swing-Orchestern (Benny Carter, Count Basie) absolviert, als er Mitte der 40er-Jahre nicht nur zum ersten wichtigen und jahrzehntelang führenden Posaunisten des Bebop avancierte, sondern mit vibratolosem Ton und (für damalige Gewohnheiten) unglaublich geschwindem Spiel auf dem bislang für nicht besonders beweglich gehaltenen Instrument zum Urbild der modernen Jazzposaune avancierte. In der Bebop-Ära spielte er unter anderem mit Charlie Parker, Bud Powell und Miles Davis („The Birth Of The Cool“). Mit dem dänischen Posaunisten Kai Winding löste er in gemeinsamen Formationen („Jay and Kai“) in den 50er-Jahren fast so etwas wie eine Mode aus: Bands mit einer Frontline aus zwei Musikern, die nicht nur das gleiche Instrument, sondern auch stilistisch ähnlich spielten (z.B. „Phil & Quill“) setzten sich durch. Bis zum Aufkommen einer anderen Posaunenästhetik ab den 60er-Jahren (Mehrstimmigkeit bei Mangelsdorff, growliger Sound bei Rudd) war Johnson Vorbild aller führenden Posaunisten (Fuller). Im Laufe der Jahrzehnte machte Johnson, der schon in der Bebop-Ära eindrucksvolle Themen („Lament“, „Elora“) geschrieben hatte, zunehmend als Komponist und Arrangeur auf sich aufmerksam, dabei gelegentlich Third-Stream-Neigungen offenbarend. Da er sich in den 60er- und 70er-Jahren überwiegend an Film- und Gebrauchsmusik „verschwendete“, wurden diese Fähigkeiten Johnsons selten gebührend gewürdigt. Am 4. Februar 2001 erlöste er sich selbst durch einen Pistolenschuss von schwerer Krankheit. Ein Dank an den Mann, der dem Posaunenspiel neue Welten erschlossen hat.

Marcus A. Woelfle

 

Die Jazzzeitung verabschiedet sich von...

Steve Allen (26.12.1921 New York City – 30.10.2000 Encino, Kalifornien) Allen, der nicht nur Jazzpianist, sondern auch Songwriter, Sänger, Theaterdichter und Sachbuchautor war, gehörte als Gründer von NBC’s Tonight Show zu den populärsten Gestalten des amerikanischen Fernsehens. Als Schauspieler verkörperte er etwa die Titelrolle in „The Benny Goodman Story“. Auf seinen Jazzplatten wirkten Größen wie Charlie Shavers, Milt Hinton, Terry Gibbs und Gary Peacock mit.

Jimmie Davis (11.9.1899 Quitman, Louisiana – 5.11.2000 Baton Rouge, Louisina). Der Country-Sänger und einstige demokratische Gouverneur von Louisiana komponierte mit „You are my sunshine“ einen auch von Jazzern gespielten Standard.

Vernel Fournier (30.7.1928 New Orleans – 7.11.2000 Jackson, Mississippi). Obgleich fast vergessen, spielte der dezent swingende Schlagzeuger im Laufe seiner Karriere mit keinen Geringeren als Teddy Wilson, Sonny Stitt, Lester Young, Ben Webs-ter, Stan Getz und George Shearing zusammen. Am bekanntesten war er sicher in den Jahren 1957 bis 1962 als subtiler, feinfühliger Drummer des raffinierten Ahmad Jamal Trio (CD-Tipp: „At The Pershing“, 1958).

Dick Morrissey (9.5.1940 Horley, Surrey – 8.11.2000 Deal, Kent). Der Star-Saxophonist der britischen Szene begann mit Dixie, kam zum Bebop, wechselte in der Free-Ära zum Funk und kehrte im Laufe der Bop-Renaissance zum Mainstream zurück.

Mark Tucker (1954 Cambridge, Massachusetts – 6.12.2000 Williamsburg, Virginia) verfasste mehrere Bücher über Duke Ellington.

Al Timothy (5.7.1915 Radix, Trinidad – 8.12.2000 London) war ein Bebop-Saxophonist, der auch Pop-Hits (unter anderem für Shirley Bassey) komponierte.

Rosa King (1939 – 12.12.2000 Rom) Die seit 30 Jahren in Holland lebende, amerikanische Saxophonistin und Blues-Sängerin leitete die Band „Upside Down“ und spielte unter anderem bei Lionel Hampton und Cab Calloway.

Roebuck „Pops“ Staples (28.12. 1915 Winona, Mississippi – 19.12. 2000 Chicago) gründete die berühmte Gospel-Gruppe „The Staple Singers“.

Jack McVea (5.11.1914 Los Angeles – 27.12.2000 Los Angeles), ein ausdrucksstarker Tenorist, nahm 1944 (zusammen mit J.J. Johnson und Illinois Jacquet) am ersten Jazz at The Philharmonic Konzert teil, spielte 1945 Aufnahmen mit Slim Gaillard ein (mit Dizzy und Bird), komponierte 1947 den Hit „Open The Door Richard“ und geriet später etwas in Vergessenheit.

Charlie Lourie (1940 – 31.12.2001 Stanford, Connecticut) gründete vor 17 Jahren das Reissue-Label Mosaic Records.

Les Brown (14.3.1912 Reinerton, Pennsylvania – 4.1.2001 Los Angeles) gehörte einst zu den populären Orchesterleitern. Doris Day startete in seiner „Band of Renown“ ihre Karriere als Sängerin und landete mit „Sentimental Journey“ einen Hit. Stilistisch eher eine konservative und auf die Bedürfnisse der Tänzer ausgerichtete Swing-Band, hat die Band zeitweise auch boppige Arrangements und Nachwuchsmusiker vorgestellt. Einige Stichworte: Theme Song „Leap Frog“, langjähriger Saxophonist Ronnie Lang, lange Zusammenarbeit mit Bob Hope.

Norris Turney (8.9.1921 Wilmington, Ohio – 17.1.2001 Dayton, Ohio), ein Multiinstrumentalist, der auch Tenor und Klarinette beherrschte, vertrat als von Johnny Hodges stark beeinflusster Altist den Meister in den Jahren 1969–1973 in Duke Ellingtons Band. Er brachte auch seine Flöte mit, die im Instrumentarium dieses Orchesters zuvor nicht vertreten war.

Luiz Bonfa (1922 – 12.1.2001 Rio), der mit „Manha de Carnaval“ aus dem Film „Orfeu Negro“ internationalen Ruhm erntete, war als Gitarrist und Komponist („After The Rain“) einer der Architekten der brasilianischen Bossa Nova und arbeitete gelegentlich mit Jazzmusikern (Getz, Thielemans) zusammen.

„Brother“ Jack McDuff (17.9.1926 Champaign, Illinois – 23.1.2001 Minneapolis, Minnesota) gehörte zu den groovendsten Organisten des Soul Jazz, die vor allem in den 60er-Jahren im Gefolge von Jimmie Smith große Popularität genossen. Zahlreiche Alben (für Prestige und Blue Note) aus jener Zeit legen Zeugnis von seiner erdigen, bluesigen Spielweise ab.

Lou Levy (5.3.1928 Chicago, Illinois – 23.1.2001 Dana Point, California) verbrachte viele Jahre an der Seite von Sängerinnen wie Ella Fitzgerald und Peggy Lee und war über Jahrzehnte hinweg einer der absoluten Lieblingspianisten von Stan Getz, mit dem er schon bei Woody Herman (1948/49) zusammenspielte und auf dessen Alben (z.B. „The Dolphin“) er gut zur Geltung kommt.

Marcus A. Woelfle

 

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