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2000/09
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Editorial Was den Jazz betrifft, kann man ohne Zögern sagen: Der Sommer war sehr groß! Einen Nachklang bietet Ihnen die aktuelle Jazzzeitung mit Berichten aus Montreux, Regensburg, München, Neuburg, Viersen und das kommt nicht alle Tage vor China. Dem Jazz scheint es gut zu gehen. Montreux knüpft an die guten Besucherzahlen der Vergangenheit an und steht finanziell auf solidem Fundament. Warum? Sicher nicht wegen avantgardistischer Programme, eher weil hier ein Massenpublikum durch große Namen aus Jazz und Pop angezogen wird, das nebenbei nach allen Regeln der Merchandising-Kunst um seine Franken erleichtert wird. Claude Nobs Festivalwährung, der Jazz (ein Jazz entspricht einem Franken) ist so stabil wie eh und je. Mit seinem geschrumpften Etat tut sich der Münchner Klaviersommer da schon schwerer. Dennoch wertet die Festivalleitung den Klaviersommer 2000 als Erfolg nicht zuletzt durch den positiven Image-Effekt für das Hotel Bayerischer Hof, das als Austragungsort diente. Das Regensburger Jazzweekend arbeitet zukünftig mit Marketing-Profis zusammen und plant eine inhaltliche Ausweitung in Richtung Osteuropa. Und man hofft nicht ohne Grund darauf, endlich mehr als die symbolischen 100 Mark Gage pro Musiker zahlen zu können. In Neuburg an der Donau gründete man eine neue Konzertreihe namens Art baroque, die den Jazz in die etablierten und überregional wahrgenommenen Neuburger Barockkonzerte integriert. Und die Münchener Konzertreihe Jazz & more legt den Schwerpunkt wieder einmal mehr auf das more und kooperiert im September im Rahmen einer Heiner-Goebbels-Uraufführung mit der Musica viva. Doch bei aller Begeisterung über gelungene Programme, schöne Konzerterlebnisse, neue Talente und neuerschlossene Konzertgänger im Konzert dieser positiven Stimmen klingen immer auch ein bisschen die Klagen der Veranstalter durch. Mit Jazzkonzerten kann man kein Geld verdienen, so drückte das kürzlich Josef Dachsel in der Radiosendung taktlos (Bayern2Radio) aus. Warum eigentlich nicht? Warum klingeln bei den Jazzclubs in München, einer Stadt mit 2,5 Millionen Menschen im Einzugsgebiet, die Kassen nicht? Zu moderne Programme? Oder zu traditionelle? Zu wenig Förderung durch die öffentliche Hand? Oder zu wenig Sponsoren? Oder ist Jazz ganz einfach out? Dem widerspricht allerdings der massenhafte Zustrom des Publikums zu den erwähnten Festivals. Sollten etwa die Jazzkeller ehemals Keimzellen neuer Strömungen mit ihren zwei Dutzend Sitzplätzen in rauchgeschwängerter Luft der Vergangenheit angehören? Hoffentlich nicht! Sicher ist, dass ein Club mit Monatsprogramm, egal ob eingetragener Verein oder private Initiative eines Gastwirtes, den Jazzfestivals nicht das Wasser reichen kann. Die Gründe sind zahlreich. Ein zentrales Thema für die kleinen Clubs ist momentan noch immer die Besteuerung ausländischer Musiker mit einem Steuersatz von 25 Prozent, die ihnen die Finanzämter auch mehrere Jahre rückwirkend noch abfordern. Ein leidiges Thema, bei dem Veranstalter oft nur durch Einzelvereinbarungen mit dem jeweiligen Finanzamt zu Lösungen kommen. In diesem Zusammenhang sei an dieser Stelle auf eine aktuelle Info der DJF hingewiesen, in der Möglichkeiten aufgezeigt werden, die Überbesteuerung zu umgehen. Näheres unter: Deutsche Jazz-Föderation e.V. (DJF), Tel. 07253/95 35-32, Fax 07253/95 35-33, E-Mail: post@djf.de, Internet: www.djf.de Andreas Kolb Service-Pack
09/2000 als pdf-Datei |
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