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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 7/2000

2000/09

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Dossier

Seite 26-27

Die Band der Pädagogen

Joe Viera und die Bayerische Lehrer-Big Band

Seit 1993 gibt es die „Bayerische Lehrer Big Band” unter der Leitung von Joe Viera. Eine im bundesdeutschen Vergleich einmalige Institution. Vom 10. bis 23. Juni unternahm die Band eine außergewöhnliche Tournee: Sie bereiste China und spielte in verschiedenen Städten sowie auf der Großen Mauer in 14 Tagen zwölf Konzerte. Andreas Kolb, Jazzzeitung, fragte Joe Viera nach seinen Eindrücken von dieser nicht alltäglichen Reise.

Jazzzeitung: Nach China fährt man nicht alle Tage. Erzählen Sie doch unseren Lesern ein bisschen?

Joe Viera: Meines Wissens sind wir die zweite Bigband überhaupt, die in China war. Die erste Bigband war das Landesjugendjazzorchester Nordrhein-Westfalen, das es ja seit den späten 70er-Jahren gibt, gegründet von meinem Freund Glen Buschmann.

Jazzzeitung: Wie kam es zu dieser Traumreise?

Viera: Durch Initiative eines unserer Trompeter, der in Dillingen an der Akademie für Lehrerfortbildung einige Teilnehmer einer chinesischen Delegation kennen gelernt hatte. Er erzählte von der „Bayerischen Lehrer Big Band”, gab ihnen die CD – und wurde prompt am nächsten Tag gefragt: „Warum kommt ihr nicht nach China?” So kam die ganze Geschichte ins Rollen.

Jazzzeitung: Gab es finanzielle und sonstige Unterstützung?

Viera: Der Deutsche Musikrat unterstützte uns mit einem beträchtlichen Betrag. Weiter knüpften wir Kontakte zur Hanns-Seidel-Stiftung, die eine Zweigstelle in Schanghai hat. Dann zum dortigen deutschen Generalkonsulat sowie zu Paulaner, die in Schanghai ein sehr frequentiertes Lokal betreiben. Mitten in Schanghai trifft man plötzlich auf Leberkäs und Brezn, auf einen bayerischen Braumeister und eine niederbayerische Geschäftsführerin. Das Bier kostet die Halbe umgerechnet 14 Mark, deshalb gehen Ausländer kaum hin, weil es ihnen zu teuer ist. Aber die Chinesen gehen hin, zumindest die neue Oberschicht. Dort spielten wir einen Brunch.

Jazzzeitung: Das Millenniumsjahr 2000 war ein bewegtes Jahr für Ihre Bigband?

Viera: Die Lehrer Big Band spielte bereits auf dem Festival in Wendelstein, Mitte Juli auf der EXPO und eine Woche später auf dem Fest der Bayern in Regensburg, wo uns auch die Ministerin Monika Hohlmeier für vier Stücke besucht hat. Weitere Konzerte sind im September und Oktober. Die nächste CD nehmen wir Ende Oktober auf.

Jazzzeitung: Was ist Ihr Hauptanliegen mit der Lehrerband?

Viera: Sie ist von all meiner Arbeit nur ein Teil. Aber ein interessanter und wichtiger. Denn wir haben uns auch eine künstlerische Aufgabe gestellt und die heißt: richtigen Jazz machen. Heutzutage gerät oft in Vergessenheit, was Jazz eigentlich ist. Wir spielen möglichst ohne viel Verstärkung und ohne Elektronik und wollen einen möglichst großen Orchestersound entwickeln. Dabei spielen wir Stücke, die andere nicht im Repertoire haben. Außerdem lieben wir ungewöhnliche Besetzungen, so haben wir auf der ersten CD einen Ragtime für vier Saxophone. Oder ein Stück für fünf Trompeten und Rhythmusgruppe.

Jazzzeitung: Warum eine Band aus lauter Pädagogen?

Viera: Wir haben nicht nur eine künstlerische, sondern auch eine pädagogische Aufgabe: und zwar gleich mehrfacher Art. Die Mitglieder sollen lernen, wie man mit einer Bigband probt. Außerdem spielen wir immer wieder auch an Schulen, so dass auch die Musiklehrer und deren Schüler das sehen und erleben. Außerdem haben wir offensichtlich – das hat auch die Tournee gezeigt – noch eine dritte Aufgabe, die damit zu tun hat, dass es eine Bigband aus lauter Lehrern ist. Lehrer sind vielfach nicht so angesehen, wie sie es eigentlich verdienen. Denn es ist einer der wichtigsten Berufe, die es überhaupt gibt. So kann diese Band zum Prestige der Lehrerschaft insgesamt beitragen.

Jazzzeitung: Welche Rolle kann die Big Band an den allgemein bildenden Schulen übernehmen?

Viera: Die Bigband kann in Zukunft an den Schulen im Mittelpunkt stehen, die kleinen Bands egal welcher Stilrichtung können sich außenherum gruppieren. Vieles was man braucht im Jazz, in der Rock- und Latin-Musik, das lernt man am besten in einer Bigband. Eben nicht nur Noten lesen, sondern auch Phrasierung, Balance der Instrumente und selbstverständlich die Beherrschung des Instruments.

Jazzzeitung: Wie schätzen Sie den Stellenwert von Jazz bei den Jugendlichen von heute ein?

Viera: Das hängt entscheidend davon ab, ob die Jugendlichen bereits einmal in ihrem Leben Jazz gehört haben. Es gibt leider eine hohe Hemmschwelle, Jazzkonzerte zu besuchen. Zum einen hängt das mit den hohen Eintrittspreisen zusammen, zum anderen ist es ein Imageproblem. Die jungen Leuten, denen es gelingt, diese Schwelle zu überschreiten, entwickeln meist ein positives Verhältnis zur Jazzmusik.

Konzerte:
22.9. Hof, Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium, 19.30 Uhr
23.9. Arzberg, 1. Arzberger Jazzfest, Max-von-Bauernfeind-Schule, 20.00 Uhr

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