|
Anzeige
|
|
|
|
2000/09
|
||
Anzeige |
||
|
Berichte Seite 4 |
Fest der Jazzer Das 19. Regensburger Jazzweekend Der altehrwürdigen Institution Bayerisches Jazz-Weekend eine Frischzellenkur zu verpassen, haben sich die Organisatoren rund um den grand old man der Szene, Richard Wiedamann, für die kommenden Jahre vorgenommen. Bereits diesmal hatte man sich eine Marketing-Agentur mit ins Boot geholt, die sich mit der Vermarktung des Regensburger Stadtmarathons einen Namen gemacht hat. Die kurze Vorlaufzeit und die fürs Fest der Bayern schon kräftig abgeschöpften Sponsorenmittel erlaubten beim diesjährigen Jazzmarathon allerdings noch keine großen Sprünge. Für die Zukunft verspricht sich Wiedamann aber eine deutliche Aufstockung der symbolischen 100 Mark, die bisher pro Musiker/-in und Auftritt eher tröpfeln als fließen. Das bewährte Konzept soll dadurch nicht in Richtung Gig-Absahner aufgeweicht werden, vielmehr sollen Spielräume geschaffen werden für neue programmatischen Akzente. This could be the start of something big: Der Standard, mit
dem das Trio rund um den Weimarer Hammond-Spezialisten Matthias Bätzel
in die erste Session im Leeren Beutel einstieg, war wohl programmatisch
gemeint. Mancherorts überwog aber der Konjunktiv. Wäre der Sound
im Thon-Dittmer-Hof etwas präsenter, sprich: lauter gewesen, hätten
die diversen Hardbop-Formationen ihr Publikum vielleicht tiefer in die
von ihnen heraufbeschworene goldene Zeit der 50er- und 60er-Jahre hineingezogen.
Der Anspruch, Sprungbrett für den begabten Nachwuchs zu sein, wurde am Samstag ein erstes Mal überzeugend eingelöst: Gunnar Seitz und Andreas Wiesich haben als Gitarrenduo dieses Gespür für kleine, aber feine Arrangement-Einfälle, die den Solos nicht nur den nötigen Rahmen geben, sondern auch für die Interaktion Signale setzen. Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer und Tenorist Boris Gammer, zwei ausgesprochene Power-Musiker, setzten da eher auf die Kraft des Augenblicks. Am Abend erwies sich dann die Intimität des American Songbook als besonders faszinierend, in die sich Nina Plotzki und Neli Schmidkunz zurückzogen. Die Sängerin nahm Kleinode wie Lets face the music and dance nicht zum Vorwand selbstverliebter Attitüde, wie sie andernorts Corinne Chatel mit ehrgeizigerem Programm zelebrierte. Stattdessen lieferte sie mit ihrer ausdrucksvoll in die Tiefe lotenden Stimme und ihrem herausragenden Partner an der Gitarre den Beweis für die ungebrochene Lebensfähigkeit dieses Repertoires. Das Potenzial der Nachbarschaft mit osteuropäischen Jazzländern stärker zu nutzen, wäre eines der Ziele, die mit der Umstrukturierung des Jazz-Weekends in den kommenden Jahren anzustreben wären. Eindrucksvoller Vorgeschmack war hierfür Milan Svobodas Contraband. Diese Pilsener Profiformation hat sich eine eigenständige Big-Band-Stilistik rund um die Fixpunkte Jazzrock und Funk erarbeitet, die dem Mainstream gewohnten Haidplatz-Publikum ganz schön einheizte. Svobodas Arrangements verströmten trotz Ecken und Kanten den satten Groove mehrheitsfähigerer Alternativen. Abschluss und Höhepunkt im Bereich des modernen Jazz in klassischer Quintett-Besetzung bildete die Formation rund um den Trompeter Martin Auer, dessen pannenbedingten Ausfall im ersten Set der überragende Florian Trübsbach am Altsaxophon souverän wettmachte. Juan Martin Koch |
|
|||||