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2000/09
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Stadt-Portrait Seite 8 |
Eine Gasse wird zum Gästebuch Jazz all over in der bayerischen Grenzstadt Burghausen (I) Malerisch, bürgerstolz, selbst bewusst, wehrhaft. Burghausens charakteristische Merkmale, die längste Burganlage Deutschlands und eine idyllische Altstadt, sind Zeichen vergangener Epochen und größerer (politischer) Bedeutung, als sie die Stadt heute hat. Andere Eigenschaften haben nach wie vor Bestand, werden sorgsam gepflegt. Wirtschaftlich gehört die Region zu den gesündesten des Landes. Sportlich macht Burghausen mit einer Schwimmerin, die sich für die Olympiade in Sydney qualifiziert hat, und einer Bundesliga-Tennismannschaft von sich reden. Mit der Internationalen Jazzwoche beheimatet sie zudem ein kulturelles Großereignis, das sie nicht ganz mit Berlin und Montreaux, aber mit Nürnberg, Leipzig oder Frankfurt vergleichbar macht. Das Grenzstädtchen war früher bayerischer Herzogssitz. Eingenistet in das schmale Flusstal der Salzach, ist diese Funktion durch Europäisierung und den Abbau nationalstaatlicher Souveränitäten abhanden gekommen. Ohne strenge Kontrolle konnten die Besucher der Internationalen Jazzwoche früher nicht ins benachbarte Österreich, um sich an leckerem Kaiserschmarrn oder Kren und Tafelspitz zu laben. Heute erinnert kaum mehr etwas daran, dass die Brücke, die direkt vom Stadtplatz weg über die Salzach führt, von Gendarmen und Zöllnern pflichteifrig bewacht worden war. Die Anfänge des Festivals liegen über 30 Jahre zurück,
als sich Tenorsaxophonist Joe Viera und Gerichtsvollzieher und Jazzfan
Helmut Viertl begegnen und den Plan für eine Jazzwoche aushecken.
Die Geschichte und allerlei Anekdoten, die sich um den mythenumwobenen
Beginn des Jazzzeitalters der damals noch recht verschlafenen oberbayerischen
Stadt ranken, sind in Jubiläumsschriften nachzulesen. Auch wenn heute andere kulturelle und touristische Schwerpunkte dazu gekommen sind, am Jazz als Glanzlicht des Kulturlebens und als bedeutendem Image- und Wirtschaftsfaktor hält man fest. In der Stadt ist man sich der vielen positiven Aspekte des ziemlich un-bayerischen Genres der Popularmusik wohl bewusst. Das zeigen mehrere Umstände. Aus Anlass der 30. Jazzwoche eröffneten Bürgermeister und Festivalorganisatoren im Sommer 1999 in der fußgängerfreundlichen Altstadt eine sogenannte Street of Fame. In die Straße eingelegte Bronzeplatten zeigen mit Datum, Signatur und Bild die berühmtesten Jazzstars, die in Burghausen gastierten. Allen voran Ella Fitzgerald und Count Basie, mit deren Auftritten die Stadt 1975 schlagartig überregional präsent wurde. Von da an hatten Viertl und Viera keine Probleme mehr, jedes Jahr zu Beginn des Frühjahrs zahlreiche Besucher und weltberühmte Musiker in die Salzachstadt zu lotsen. Michel Petrucciani, Albert Mangelsdorff, Art Blakey, Barney Kessel, Buddy Rich, Chet Baker, Dave Brubeck, Dexter Gordon, Dizzy Gillespie, Freddie Hubbard, Gerry Mulligan, Lionel Hampton, Oscar Peterson, Ray Brown, Stan Getz und Stephane Grappely sind einige der Großen, die sich mindestens einmal in das musikalische Gästebuch der Stadt eingetragen und seit vorigem Jahr in der Street of Fame ein ehrendes Andenken gefunden haben. Michael Scheiner Kontakt: Teil 2 folgt in der nächsten Ausgabe
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