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Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 7/2000

2000/09

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Medien

Seite 17

Lokalsender mit Swing

„Jazztime“ auf Radio Ostallgäu

Radio Ostallgäu – das klingt nach Lokalfunk mit Schlagern für die Hausfrau, Dreigesang und Blasmusik. Neuerdings kommen aber auch ganz andere Töne über den Äther: Jazz in allen Variationen. Und das nicht zu nachtschlafener Zeit wie beim großen Radio-Bruder, dem Bayerischen Rundfunk. Nein, zur besten Sendezeit ab 20.00 Uhr schmettern Louis Armstrong und Kollegen aus den Lautsprechern. Jeden Mittwochabend ist „Jazztime“. Der Sender ist damit Spitze im Allgäu und dürfte auch bayernweit Einmaligkeit beanspruchen. Wie so oft hängt das von einer Person ab.

In diesem Fall heißt sie Philipp Schmid. Als der 28-Jährige vor einem Jahr zu Radio Ostallgäu nach Kaufbeuren kam, sprach sich schnell herum, dass der Pianist auch gerne dem Jazz frönt. Was seinen Studioleiter auf die Idee brachte, ihm eine Spezialsendung anzuvertrauen. „Die Frage, ob die Radiohörer das wollen, war schnell beantwortet“, erinnert sich Schmid. Schließlich gebe es eine lebendige Szene im Allgäu. Da ist die „Jazz Initiative“ mit ihren Aktivitäten, und es gibt viele Bands und Musiker. Als dann der „Jazz Frühling“ in Kempten, wo man Radio Ostallgäu gerade noch empfangen kann, vor der Tür stand, wurde der Startschuss gegeben. Bereut hat es niemand.

„Die Sendung ist gut angelaufen“, zieht Schmid nach einem Vierteljahr auch ohne verlässliche Hörerzahlen positive Bilanz. Die Karten, die er für Veranstaltungen verlost, gehen gut weg, Plattenfirmen schicken ihm die neuesten Scheiben, interessierte Hörer rufen noch während der Sendung an, um mit dem Moderator fachzusimpeln. „Die wissen mehr als ich, und das ist auch gut so“, sagt Schmid. „Es soll ein Dialog entstehen – wie bei einer Jazz-Session.“ Der Plattenfundus, aus dem Philipp Schmid für seine zweistündige Sendung schöpfen kann, ist – noch – nicht sehr groß. „Ich war nie der Jazz-Freak, der zu Hause wahnsinnig viel Platten hat“, gesteht er. Vorläufig muss er sich Scheiben von Musikern und Studiogästen mitbringen lassen oder sie anderweitig zusammensuchen. Dafür geht er schon mal schnell in einen Kaufbeurer Plattenladen. „Ich entdecke dabei viele neue Sachen, von denen ich dachte, ich mag sie nicht. Gerade älterer Jazz hat oft eine ganz besondere Dynamik.“

Persönlich mag der Pianist Musik von Michel Petrucciani, Erroll Garner oder Oscar Peterson. Außerdem steht er auf Jazz mit Rock- und Popelementen, auf Swing und vor allem auf Latin. Diese Musik macht er auch mit seinem „Trio de Janeiro“, mit dem der gebürtige Stuttgarter Gigs in ganz Deutschland hat. Zu hohe Anforderungen will Schmid nicht an seine Hörerschaft stellen. „Jazztime“ dürfe nicht zu sehr aus dem übrigen Programm von Radio Ostallgäu herausfallen, sagt er. „Man sollte die Musik auch hören können, ohne ein ausgesprochener Jazzfan zu sein.“ So legt er Mainstream auf, gemischt mit Rock und Pop von Al Jarreau oder George Benson. Berührungsängste mit Jazz-Hits wie etwa dem Brubeck-Desmond-Klassiker „Take Five“ oder Gassenhauer von „Satchmo“ hat er nicht. Ein zweiminütiges Bass-Solo dagegen wäre schon jenseits der Zumutbarkeits-Grenze. Bunt soll die Sendung jedenfalls sein, strukturiert von Themenblöcken à la „Die Gitarre im Jazz“.

Daneben will Schmid auch „ankündigen, aufklären und werben“. Beispielsweise mit Hinweisen auf Jazz-Konzerte. Da entscheide er völlig frei, was er anpreise. Das können Konzerte in Kaufbeuren sein, aber auch in Augsburg oder München.
Dass die „Jazztime“ bei all dem internationalen Flair dennoch eine Sendung des Lokalfunks ist, lässt sich nicht überhören. Mitten in die heiße Fusion blendet sich der Moderator hinein: „Bei Schwangau ist ein Hund entlaufen. Wer ihn gesehen hat, der melde sich bitte
bei . . .“

Klaus-Peter Mayr

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