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Story Seite 5 |
Jazz und anderes Diana Schuur in München Bei den meisten anderen Sängerinnen wäre der Schuss nach hinten losgegangen und man hätte es als Frechheit gegenüber dem Publikum tadeln müssen: Vor einem Jahr trat Diana Schuur auf dem Salzburger Jazzherbst auf erstmals ließ sie sich von der hervorragenden Frauen-Bigband Diva begleiten, eine Probe hatte es nicht gegeben, die Arrangements waren ihr nicht bekannt. Das machte den Auftritt Schuurs zu einem Drahtseilakt. Obwohl sie ihre Einsätze nicht kannte und der gemeinsame Auftritt einem Proben auf offener Bühne gleichkam, war es ein ungetrübter Genuss zu erleben, wie sie sich aus der Affäre zog. Mit einem bewundernswerten Maß an musikalischer Intuition, Virtuosität und Entertainerqualitäten machte sie aus der an sich peinlichen Situation einen schlagenden Beweis ihres unbestreitbaren Könnens. Mit ihrer expressiven Stimme, ihrem untrüglichen rhythmischen und harmonischen Gespür gehört die 47-Jährige zweifellos zu den wichtigsten Sängerinnen ihrer Generation.
Diana Schuur, die hierzulande noch so wenig beachtet wird, dass sie in allen gängigen Jazz-Lexika fehlt, gilt in den Staaten als neue First Lady des Jazz, ja als ungekrönte Nachfolgerin Ella Fitzgeralds. Das liegt sicher nicht zuletzt an der puristischeren Ausrichtung eines Großteils des europäischen Jazzpublikums, das Ausflüge in kommerzielle Gefilde nicht sonderlich goutiert. So hat Schuur nun nach ihrem vorletztem, reinen Jazzalbum Music Is My Life (Atlantic) mit der ungewöhnliche a-cappella-Version von Over The Rainbow (das auch ihre Erfahrung mit Fallschirmspringen verarbeitet) ein recht poppiges Album vorgelegt: Friends for Schuur (Concord). Hier wurde nicht nur (Wunder der Technik) ein Solo des unvergessenen Stan Getz nahtlos in ihre Interpretation von Easy Living eingefügt, hier singt sie auch mit Ray Charles und Stevie Wonder, mit denen sie so viele Erfahrungen teilt: Ein Unfall in der Entbindungsstation ist daran schuld, dass Diana Schuur seit ihrer Geburt blind ist. An der Washingtoner Blindenschule studierte sie Musik. Vom Schlagzeuger Ed Shaughnessy wurde sie 1975 entdeckt, vom Publikum, als sie 1979 bei Dizzy Gillespie sang. Stan Getz, mit dem sie 1982 im Weißen Haus auftrat, verliebte sich in sie, als sie Amazing Grace sang. Für ihre Alben der Jahre 1986 und 87 (letzteres mit dem Count Basie Orchestra) erntete sie Grammys. In unseren Breiten ist sie so gut wie nie zu hören. Am 6.11. biete sich im Prinzregententheater die seltene Gelegenheit, wenn sie sich mit dem Pianisten Roger Hines und dem Drummer James Zimmermann von ihrer jazzigsten Seite zeigt und dabei auch selbst in die Tasten greift. Marcus A. Woelfle
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